Okay, mit Google hat das jetzt eigentlich nichts zu tun, es ist nur, dass in den Medien immer von einem Google-Killer die Rede ist, wenn irgendwo eine neue Suchmaschine entsteht. Die neue Suchmaschine der Stunde ist
Wolfram Alpha und hat mit Google eigentlich überhaupt nichts zu tun. Zunächst einmal ist Google nämlich nicht vollkommen bescheuert.
Der andere wichtige Unterschied ist, dass Wolfram Alpha weniger eine Websuche durchführt als eine Wissenssuche. Die Wissensbasis ist dann auch das Problem. Suche ich bspw. nach
Karlsruhe, weiß es immerhin, wo ungefähr das liegt, kann das auf einer Karte anzeigen und mir die Einwohnerzahl mitteilen. Wesentlich mehr weiß es aber nicht.
An anderen Stellen ist es einfach nur verwirrt. Suche ich z.B. nach
Zucker, vermutet Wolfram Alpha, dass es mir um einen Blutzuckertest geht. Habe ich "blood sugar test" eingegeben? Nein. Immerhin kann ich dann "use as food" anklicken. Dann bekomme ich eine Nährstofftabelle im USA-typischen Design. Allerdings mit Vermerk: "Assuming sugar, maple". Ich kann dann noch braunen Zucker auswählen, aber eigentlich dachte ich, dass der für mich sucht, und nicht andersrum.
Die Nährstoffinformationen sind ansonsten auch recht kreativ. Man kann zum Beispiel
Kartoffeln mit Kartoffeln mit Haut vergleichen. Ansich wäre das interessant: Wo sind die Vitamine, wie sieht es mit dem Solanin aus, und so weiter? Aber Wolfram Alpha ist ja kreativ. Die Werte der Kartoffel mit Haut stimmen ungefähr damit überein, was ich von einer Kartoffel erwarten würde; denen der Kartoffel, die einfach nur "Kartoffel" heißt, liegt offenbar eine Zubereitung mit Butter oder ähnlichem zugrunde, denn sie enthält plötzlich einen nicht zu vernachlässigenden Anteil Cholesterin sowie einen für eine Kartoffel erstaunlichen Anteil Fett. Ist das überhaupt eine Kartoffel? Ich glaube nein. Wo das Fett herkommt, erfährt der Leser nicht.
Noch absurder wird es bei
Spaghetti. Die haben nämlich auch wieder irgendwo Cholesterin aufgegriffen, das kommt aber in Spaghetti gar nicht vor, da echte italienische Spaghetti nur aus Weizengries bestehen und der enthält kein Cholesterin. Für Eiernudeln erscheint mir aber die Cholesterinmenge wieder als zu gering. Ich würde das jetzt auch gerne mit Wolfram Alpha vergleichen und beginne mit einer Suche nach
Nudeln. Ah, ist also ein Slangausdruck für den Kopf eines Menschen. Okay, das bringt mich nicht weiter. Erst eine Suche nach
Eiernudeln lässt wieder eine Nährwerttabelle erscheinen. Die enthält dann auch wie erwartet deutlich mehr Cholesterin. Woher kommt also das Cholesterin in den Spaghetti? Butter? Er sagt es mir nicht. Also vergleiche ich die
Spaghetti mit trockenen Spaghetti. Hmm. "Assuming any type of dry macaroni"? Von Macaroni habe ich nichts gesagt. Was hat der denn geraucht? Der Vergleich von 257g Spaghetti mit 140g Macaroni ist auch ansonsten nicht besonders nützlich.
Jetzt bin ich fast schon so weit, dass ich erwarte, ein Vergleich von
Berlin mit Grünkohl könnte ein mehr oder weniger sinnvolles Ergebnis (im Sinne der Humoristik) liefern. Aber Fehlanzeige, es gibt offenbar nur eine Handvoll Städte, deren Namen ähnlich zu Grünkohl geschrieben werden. Interessanterweise nimmt er aber Kalay, und nicht eine der Städte, die tatsächlich Kale (engl. Grünkohl) heißen und die er auch kennt. Hmm. Naja, ist mir jetzt nicht so wichtig.
Eine Sache, die Wolfram Alpha zugegeben gut kann, ist Rechnen. Das ist kein Wunder, schließlich ist das Backend Mathematica. Um da etwas sinnvolles rauszubekommen, wenn es um mehr als eine einfache Addition geht, ist es aber hilfreich, die Syntax von Mathematica zu beherrschen. Erraten was gemeint ist kann er offenbar nur bei einfachen Eingaben.