Wednesday, 23. June 2010
Nachdem ich neulich in den Nachrichten über die Nationale Verzehrsstudie II (von 2008) gestolpert bin, habe ich mir die Berichte mal näher angeschaut. Ein Ergebnis, das ins Auge fällt (weil es oft genug zitiert wird) ist, dass mehr als die Hälfte der Deutschen übergewichtig sind. Glücklicherweise enthält die NVS II aber auch zwei einfache Schritte, die das Problem lösen sollten. Und zwar mit Psychologie.
1. Kleine Aufkleber auf der Verpackung:
Fressen kann tödlich sein
(und macht einen dicken Hintern)
Warum? Laut NVS II werden Zigaretten am häufigsten überhaupt als Gesundheitsrisiko genannt (Teil 1, Seite 114). Sie sind damit gefährlicher als Radioaktivität. Nahrungsmittel und Getränke kommen erst auf Platz 9, was sie etwas gefährlicher macht als Wasser. Die Aufkleber sollten Kartoffelchips im Bewusstsein der breiten Masse (haha) deutlich gefährlicher erscheinen lassen. Eventuell sollten wir auch noch ein paar Hamburger in Gorleben verbuddeln.
2. Zucker und Fett müssen mit möglichst langen Namen angegeben werden
Wir machen es zur Pflicht, in den Zutatenlisten auf Lebensmittelverpackungen zum Beispiel Saccharose anstatt Zucker zu schreiben. Außerdem muss der "Triacylglycerinanteil" von fetthaltigen Nahrungsmitteln in Prozent groß auf der Vorderseite jeder Verpackung angegeben werden.
Warum? Eine Seite weiter im selben Bericht findet sich eine genauer aufgeschlüsselte Grafik zur Risikowahrnehmung speziell in Bezug auf Ernährung. Am häufigsten genannt werden Pestizid- und Insektizidrückstände, gefolgt von verdorbenen Lebensmitteln und Tierarzneimittel- bzw. Hormonrückständen. Soweit so gut, aber das eigentlich interessante ist, dass sogar die gute alte Ascorbinsäure von knapp 10% der Bevölkerung als Risiko wahrgenommen wird. Was für Vitamin C gut ist, soll uns für Zucker und Fett billig sein...
Monday, 26. April 2010
Wir hatten das ja schon länger auf dem Plan für die neue Wohnung, damit der Kater etwas Gesellschaft hat. Noch sind beide etwas vorsichtig, wobei Woody sich wohl inzwischen arrangiert hat (kein Wunder, er ist ja auch dreimal so groß und viermal so schwer). Die kleine Katze heißt Mila und ist auch schon fünf oder sechs Jahre alt.
Friday, 12. February 2010
Das Projekt "lass uns mal nebenbei umziehen" hat diese Woche gleich drei wichtige Meilensteine erreicht. Wenn das nur mal im Job öfter vorkäme...
- Am Sonntag haben wir das Bett umgezogen und wohnen seither in der neuen Wohnung. Diese schwedischen Betten lassen sich wirklich prima umziehen, ein paar Schrauben raus, einmal durch die Gegend tragen, ein paar Schrauben wieder rein. Man fragt sich, warum die Schweden nicht jedes Wochenende umziehen, die Möbel sind jedenfalls dafür gebaut.
- Am Mittwoch ist unsere Kommunikationsinfrastruktur aus dem Verhau links und rechts der Schlafzimmertür in der alten Wohnung in den Maschinenraum im Einbauschrank in der neuen Wohnung umgezogen und die ganzen blinkenden Lichter, aber auch der Lärm, sind jetzt hinter einer Tür versteckt. Die hauptsächlich Lärm verursachende Komponente ist allerdings auch schon sechs Jahre alt und muss eh dieses Jahr mal getauscht werden.
- Am Donnerstag haben zwei nette Männer aus Frankfurt unsere IKEA-Küche aus Walldorf angeschleppt und zusammen gebaut, mit zwei Stunden Verspätung. Bei dem Wetter hier habe ich mich schon gewundert, dass sie überhaupt gekommen sind. Jetzt haben wir eine schöne, rote Eck-Küche von IKEA nach eigenem Design, nur der Kühlschrank fehlt noch, weil wir ein eigenständiges Gerät wollten. Die Kühlschränke von IKEA lassen bei der Energieeffizienz sehr zu Wünschen übrig und Einbauen wollten wir nicht, weil wir lieber mehr Arbeitsfläche möchten. Und wieder was gelernt: Die für die Berechnung der Montage ermittelten "Küchenschrankmeter" beziehen sich bei unserer Eckküche offenbar auf die Innenseite, nicht die Außenseite der Zeile.
Die Liste der Dinge, die wir noch tun müssen, ist nicht mehr so sehr lang. Allerdings hat der vorletzte Punkt es in sich.
- Ein Regal, ein Tisch und ein Stuhl müssen noch transportiert werden.
- Unsere Nahrungsmittelvorräte und ein paar andere Dinge, die noch in der alten Wohnung sind, müssen ebenfalls noch eingesammelt und transportiert werden. Das meiste ist schon drüben, vor allem die ganzen Bücher, aber z.B. Geschirr und Besteck fehlen noch.
- Kühlschrank, Waschmaschine, Trockner und ein Sofa müssen wir noch anschaffen. Oh, und Türen für den Kleiderschrank.
- Ca. die Hälfte unseres gesamten Hab und Guts muss in Müllsäcke verpackt werden und zur Sammelstelle gebracht werden. Unglaublich was für einen Müll man ansammeln kann, wenn die Wohnung so voll gestopft ist, dass man ihn nicht wirklich sieht...
- Die alte Wohnung muss nochmal ordentlich gestrichen werden.
Überraschungen bisher:
- Der Kater liegt tatsächlich freiwillig in seinem Katzen-Sessel von IKEA, anstatt auf unseren großen Sesseln. Eigentlich dachte ich, der Katzensessel würde dann alleine und einsam hier rumstehen, während sich der Kater das größtmögliche andere Sitzmöbel aussucht. Naja, mal sehen was passiert, wenn wir uns noch ein Sofa kaufen.
- Selbst mit Winterreifen kann es passieren, dass ein Mercedes-Benz Vito nicht vom Parkplatz zu bewegen ist.
- Weiße LEDs auf der Regalwand zusammen mit einem warmweiß leuchtenden Kronleuchter und einer warmweiß leuchtenden Stehlampe sehen richtig cool aus.
Wednesday, 6. January 2010
...unsere Sachen, meine ich, vor allem, weil wir jetzt den neuen Mietvertrag unterschrieben und den alten gekündigt haben. Ab Februar oder vielleicht etwas früher können wir dann anfangen, die neue Wohnung zu renovieren und Kisten rüber zu tragen. Gestern haben wir schonmal optimistisch zehn kleine Umzugskartons gekauft und angefangen, unsere Bücher einzupacken. Morgen geht's dann wahrscheinlich nochmal los, noch zwanzig Kartons für die restlichen Bücher kaufen. In die zehn die wir jetzt hatten, haben ungefähr 1.5 Billys gepasst...
Tuesday, 22. September 2009
Seitdem die Piraten überraschend laut sind, positioniert sich FDP, insbesondere vertreten durch die Jungen Liberalen, gerne wieder als Bürgerrechtspartei. Was davon zu halten ist, demonstriert sie nun eindrucksvoll im Koalitionsvertrag mit der CDU in Sachsen:
- Die Videoüberwachung öffentlicher Plätze und Verkehrsmittel soll ausgebaut werden (S.49)
- Im Gegenzug soll der Stellenabbau bei der Polizei fortgesetzt werden (S.48)
- Verdachtsunabhängige Personenkontrollen sollen weiterhin durchgeführt werden (S.48)
- Gewalt gegen Polizeibeamte soll stärker bestraft werden (S.49)
- Wohnungsdurchsuchungen sollen bei Entführungen erleichtert werden (S.49)
- Das Versammlungsrecht soll weiter verschärft werden (S.49)
- Internettelefonie soll überwacht werden (S.50)
Monday, 7. September 2009
Bei Spiegel Online gibt es derzeit ein Feature zu lesen, das sich "Jungwähler testen Wahl-O-Mat" nennt. Der Spiegel schreibt:
Für den UniSPIEGEL wagten fünf junge Menschen zwischen 16 und 20 den Test: Alle haben eine Lieblingspartei, alle glauben zu wissen, welche Partei ganz sicher ihr Kreuz nicht bekommt - wirklich ganz sicher? Der Wahl-O-Mat bietet teils bittere Einsichten.
Fairerweise will ich an dieser Stelle schreiben, dass nirgendwo die Rede von "repräsentativ" o.ä. ist. Auf der anderen Seite wird einem das Feature schon mehr als das Ergebnis einer Befragung zufällig ausgewählter Jugendlicher verkauft, als es in Wahrheit tatsächlich ist. Gehen wir die Liste der Teilnehmer doch mal durch...
Rick Noack, 16: "Die Grünen sind naiv. Ich auch."
Rick schreibt: "Die meisten Übereinstimmungen habe ich mit der Piraten-Partei". An zweiter Stelle kommen die Grünen. Was macht Rick sonst so? Der Name ist nicht sehr häufig, daher spare ich mir hier den Eingriff in die Privatsphäre und poste keine URLs. Dank Datenkrake Google ist aber jede Menge Material zu finden, komplett mit Bild und Wiedererkennungswert. Rick ist Profi: Mit 16 schreibt er schon seit Jahren Artikel für verschiedene Zeitschriften.
Stefan Lenz, 20: "Meine Seele ist tiefschwarz"
Stefan ist schon "seit drei Jahren" CDU-Mitglied. Deshalb wäre es ihm furchtbar peinlich, wenn er allzuviel mit der Linken gemeinsam hätte. Die Befürchtung ist unbegründet. Als Vorsitzender eines JU-Ortsverbands ist bei Stefan nicht damit zu rechnen, dass er das Wahlprogramm der CDU noch nicht auswendig gelernt hat.
Christina Schmitt, 20: "Demokratie ist die beste Staatsform - und anstrengend"
Christina hält sich für eine konservative linke Socke. Offenbar will sie gerne die Grünen wählen, und bekommt wunschgemäß auch ein Ergebnis mit den Grünen auf Platz eins. Eingefleischte Spiegel-Fans kennen sie vielleicht noch von hier. Journalistische Ambitionen scheint sie zu haben - daher kennt der Spiegel sie also.
Sonja Salzburger, 20: "Ich habe vor allem Kraftwerk im Kopf"
Sonja mag offenbar Musik, besonders Kraftwerk. Sie findet "eine Koalition aus FDP, Linken und Piraten" besser als Nazis, was uns ehrt. Auf Platz eins ihres Ergebnisses beim Wahl-o-Mat stehen die Grünen, was Sonja ehrt (ein wenig jedenfalls). Machen wir es kurz: Es gibt eine Sonja Salzburger aus Mülheim, die u.a. für "Der Westen" schreibt. Zufall? Es lebe die Google-Bildersuche. Ich lege Sonja auch einfach mal unter "Journalist" ab. Schubladen können ganz schön nützlich sein.
Hannes-Caspar Petzold, 19: "Die Linke ist zu dröge"
Hannes-Caspar hat ebenfalls die Grünen im Wahl-o-Mat-Ergebnis ganz oben, dicht gefolgt von den Piraten. Es gibt einen gleichaltrigen Hannes-Caspar Adam Petzold, der offenbar für eine Jugendzeitschrift schreibt und eine ähnliche Frisur hat. Zufall?
Philipp Sümmermann, 20: "Glück gehabt! CDU"
Philipp schreibt, dass er nicht fehlerfrei "Wahl-o-Mat" tippen kann. Er hat die CDU, die FDP und die Piraten oben stehen und fühlt sich sicher, weil die Linke weit unten steht. In Xing finde ich sein Profil: Er bezeichnet sich als "Freier Journalist".
Zusammenfassend bleibt mir nur noch, zu sagen: Da hat das ehemalige Nachrichtenmagazin ja wieder ein Paradebeispiel für fiktive Berichterstattung geliefert. Ein JU-Ortsvorsitzender und fünf Journalisten erzählen uns, wie die Jugend wählt.
Sunday, 6. September 2009
Mein ganzes bisheriges Leben lang wurde die Politik in Deutschland mehr oder weniger von zwei Parteien dominiert. 1980, im Jahr meiner Geburt, gab es außer CDU, SPD und FDP eigentlich keine politische Kraft von nennenswerter Stärke. Die Grünen konnten bei der Bundestagswahl 1980 nur 1.5% erringen und waren damit viertstärkste Kraft. Seither waren sie immerhin einmal an einer Regierung beteiligt, scheinen aber, genau wie die 1990 das erste mal angetretene PDS, mittlerweile die LINKE, auch die Dominanz von CDU und SPD nicht brechen zu können. Alle diese Parteien haben ein Vollprogramm, das heißt, wenn ich meine Themen im Programm einer dieser Parteien finde, dann kann ich sie zwar wählen, bekomme aber neben meinen Themen auch noch einen riesigen Haufen Müll dazu. CDU zu wählen - oder eine der anderen großen Parteien - ist ein wenig so wie ein Schnitzel zu wollen und dafür ein Schwein umbringen zu müssen.
Derzeit sind die Ziele, die mir am Herzen liegen, fast deckungsgleich mit den Zielen der Piratenpartei. Ein oder zwei sind dort nicht vertreten, aber was viel wichtiger ist: Keine einzige Aussage der Piraten widerspricht meinen Idealen. Gut, das kann sich ändern - aber die Piraten haben sich ja "mehr Basisdemokratie" auf die Fahnen geschrieben. Ich darf also zumindest unproblematisch mitentscheiden. Die Diskussion findet öffentlich auf Mailinglisten, im Forum oder im Wiki statt. Alle diese Möglichkeiten stehen auch Nichtmitgliedern offen. Ebenso die Stammtische: Diskussionsbeiträge sind immer gern gesehen und niemand wird dazu gezwungen, sich zum Status seiner Mitgliedschaft zu bekennen. Mein einziges Privileg als Mitglied der Piratenpartei ist, bei den Parteitagen über so entwickelte Vorschläge abstimmen zu dürfen. Ähnliche Transparenz findet sich sonst nirgends, bei keiner anderen Partei. Vor zwei Wochen war der Landesparteitag des Landesverbands Baden-Württemberg. Wir hatten dort zwei Mitglieder der Grünen zu Gast, die sich ohne weiteres im Grünen-T-Shirt offen dazu setzen konnten. Einer der beiden wollte gerne eine Rede halten; das Rederecht dazu konnte er als Nichtpirat nicht selbst beantragen, das hat dann aber ganz einfach ein in der Nähe sitzender Pirat erledigt.
Aufgrund der Größe der Piratenpartei ergeben sich noch ganz andere Mitmach-Möglichkeiten. Wir haben uns zwar mit der Europawahl für die Parteienfinanzierung qualifiziert, die wird jedoch jährlich ausgezahlt, beginnend mit 2010. Somit können wir uns keine Agentur leisten, die für uns plakatiert, und machen das selbst. In meinem Fall sieht das so aus, dass Sibylle und ich vor einer Woche die ersten Plakate in der Karlsruher Weststadt aufgehängt haben. Für die anderen Stadtteile haben sich größtenteils andere Piraten gemeldet, an anderen Orten funktioniert das ähnlich. Die meisten von uns haben sich selbst im Wiki dafür eingetragen, ohne dass groß zur Versammlung geblasen werden musste; selbstverständlich ist aber auch eine Freiwilligmeldung beim Stammtisch möglich.
Neben der Plakatierungsaktion habe ich mich auch an mehreren Infoständen beteiligt, z.B. einmal nach der Europawahl in Freiburg, und jetzt bis zur Bundestagswahl in Karlsruhe. Auch hier findet die Koordination im Wiki statt. Wie auf der Koordinationsseite zu sehen ist, geht es bei uns dabei auch noch um die kleinen Details. Wir habe kein riesiges Lager voll mit Werbematerial; wir sind darauf angewiesen, dass sich genug Piraten finden, die Material organisieren können. Damit meine ich jetzt nicht nur, Buttons oder Flaggen zu kaufen, sondern vor allem auch Dinge wie z.B. unser Wahlprogramm auszudrucken. Man fühlt sich zwar als Handlanger für Internet-Ausdrucker schon ein wenig schmutzig, aber auf der anderen Seite hat es mir auch eine Menge Spaß gemacht, das Programm in eine Papier-sparende Form zu bringen ( PDF, A4 quer, Duplex, Bindung an kurzer Seite, ausgeschossen für A5-Faltbroschüre), mir ein Werkzeug zu basteln, mit dem ich die selbst gedruckten Broschüren in der Mitte zusammenheften kann (Materialkosten ca. 4 Euro plus vorhandenes Bastelmaterial) und anschließend am Infostand den Interessenten in die Hand zu drücken. Ein anderes Beispiel ist das Dosenwerfen, das wir am Samstag zum ersten Mal veranstaltet haben. Da war das Prinzip das selbe: Jemand hat sich um die Motive gekümmert und in das Piratenwiki gestellt, jemand hat leere Katzenfutterdosen mit diesen Motiven beklebt und noch jemand hat ein Katzenschutznetz besorgt, das wir als Ballfang benutzen konnten. Die Wut, mit der die Teilnehmer - durchaus breit gefächerten Alters - auf Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen, Günther Öttinger, Frank-Walter Steinmeier und Karl-Theodor zu Guttenberg geworfen haben, war diesen Piraten vermutlich den Aufwand wert.
Weitere Informationen zur Piratenpartei.
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